Reviews

GMCD 7377 – Orchestral Music by Volkmar Andreae (1879-1962) – WORLD PREMIERE RECORDING

Bournemouth Symphony Orchestra, Marc Andreae (conductor)

To the CD in our Shop

 


Klassik-CD des Monats – Schaffhauser Nachrichten – 23.01.2013

Schillernde Spätromantik aus Zürich
Welch herausragende Künstlerpersönlichkeit der in Bern geborene und während dreiundvierzig Jahren als Chefdirigent des Zürcher Tonhalle-Orchesters waltende Volkmar Andreae (1879-1962) war, mag man an einem aufsehenerregenden Ereignis im Jahre 1911 ablesen: Aus New York kam nämlich die Anfrage, ob er als Nachfolger Gustav Mahlers die Leitung des bereits damals renommierten New York Philharmonie Orchestra übernehmen wolle. Andreae lehnte ab – er sei, zu stark mit Zürich und mit seinem Orchester verbunden. Man darf im Falle Andreaes also durchaus von einem Schweizer Künstler von Weltrang sprechen, der sich mit Gastkonzerten in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts in ganz Europa einen vorzüglichen Namen machte, ohne allerdings einer jener frühen «Stardirigenten» zu sein. Weniger bekannt war bisher jedoch sein kompositorisches Schaffen. So hinterliess der stark in ausufernd spätromantischer Klangpracht à la Richard Strauss und Mahler – dessen dritte Sinfonie er in Zürich 1904 als Mahler -Erstaufführung in der Schweiz zu Gehör gebracht hatte – verwurzelte Komponist ein zwar schmales, aber nicht minder aufsehenerregendes Oeuvre für Orchester. Besonders erwähnt sei die höchst originelle Sinfonie in C-Dur aus dem Jahre 1919: Die Bandbreite an expressiven Stimmungen, meisterhafter Handhabung der musikalischen Entwicklungen und stilistischer Brillanz in diesem rund halbstündigen Werk ist – um es mit einem Wort auszudrücken – berauschend. Ein edles Streicherthema wechselt im Kopfsatz mit bald vorpreschenden, modernistisch anmutenden Rhythmen und einem wieder lieblichen, nostalgischen Seitenthema. Dunkle Leidenschaft, fantastische Erfindungsgabe, ein beschwingtes Marschthema – es hat so vieles Platz in dieser Sinfonie, dass einem fast schwindlig wird. Dieser Komponist hatte etwas zu sagen, und er tat es auf Augenhöhe mit den ganz Grossen seiner Zeit. Davon zeugen auch drei weitere Orchestermusiken, die auf der vorliegende CD versammelt sind. Sie wurde von der Zentralbibliothek Zürich als sogenanntes Neujahrsstück auf dem Label Guild herausgegeben. Seit sieben Jahren veröffentlicht die Zürcher Zentralbibliothek Aufnahmen mit Werken bedeutender Zürcher Komponisten oder Dirigenten. Dass es den Verantwortlichen gelungen ist, mit dem international tätigen Tessiner Dirigenten und langjährigen Leiter des Orchestra della Radiotelevisione Svizzera, Marc Andreae, einen Enkel des grossen Volkmar Andreae zu gewinnen, darf als Glücksfall bezeichnet werden. Nicht nur nähern sich Andreae und das tipptopp aufgestellte, in grosser romantischer Besetzung und in vielerlei Farben schillernde Bournemouth Symphony Orchestra dem familiären Erbe mit dem nötigen Respekt, sondern auch mit fühlbarer Wärme. Fast bedauert man nach den rund 70 Minuten auf dem Tonträger versammelter Musik, dass Volkmar Andreae «nur» so wenige Orchesterkompositionen hinterlassen hat. Eine sehr lohnenswerte Wiederentdeckung!
Mark Liebenber

Das Orchester – Januar 2013

Volkmar Andreae (1879-1962) prägte die Epoche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts als Dirigent des Züricher Tonhalle Orchesters. Dort im Amt als Chefdirigent seit 1906, behielt er die Position bis 1949 inne. Das ist (für heutige Massstäbe) ein unvorstellbarer langer Zeitraum. „Daneben“ leitete er das Konservatorium der Stadt. Er war die zentrale Musikerpersönlichkeit zu seiner Zeit in Zürich.
An Angeboten für eine internationale Karriere mangelte es nicht. 1911 offerierten ihm die New Yorker Philharmoniker die Nachfolge von Gustav Mahler. An der Scala dirigierte er 1911 die italienische Erstaufführung der Bach’schen Matthäuspassion. Von Kollegen wie Fritz Busch, Arthur Nikisch oder Arturo Toscanini hoch geschätzt, hatte der in Bern geborene Dirigent auch Komposition bei Franz Wüllner in Köln studiert. Seine Dirigentenkollegen führten in ihren Programmen viele der sinfonischen Werke von Volkmar Andreae auf. Und Richard Strauss widmete ihm noch 1945 sein Oboenkozert. Später lebte Andreae als freischaffender Komponist in Wien und trat international als Dirigent auf. Mit den Wieder Symphonikern spielte er als Erster alle Sinfonien Bruckners, für dessen Werk er sich zeit seines Lebens eingesetzt hatte, ein.
Daran, dass Andreaes Orchesterwerke jetzt in einer Einspielung mit dem Bournemouth Symphony Orchestra vorliegen, hat Marc Andreae sicher den massgeblichen Anteil. Der langjährige Leiter des Orchestra della Radio Svizzera Italiana und international tätige Dirigent trat ab Mitte der 1960er Jahre in die Fussstapfen seines Grossvaters. Die Werke auf der vorliegenden CD sind in ihrer Besetzungsgrösse auch für mittlere Orchester von Interesse und verlangen nicht die Riesenapparate wie Werke des frühen Strauss oder von Mahler oder wie so oft die Werke des 20. Jahrhunderts. Die Kompositionen sind allesamt effektvoll und glänzend instrumentiert, gelegentlich vermisst man den melodischen Sog. Bei einer „Blindhörprobe“ der CD würde man den Komponisten und den Personalstil kaum erraten können. Die Werke sind klassisch im Aufbau, aber die Instrumentation klingt geschult an der Musik von 1900 bis 1920. Zum Glück muss man heute die Werke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht mehr mit dem Massstab eines Fortschrittsglaubens messen. Weil das aber bis vor 20 Jahren en vogue war, befinden sich Andreaes Werke immer noch im Schatten des Repertoire-Mainstreams. Verglichen mit den meisten seiner Zeitgenossen wirkt Andreaes Musik ja auch wie „Aus der Zeit“ gefallen. Aber sie ist interessant. Und verdienstvoll ist es allemal, dass Marc Andreae mit dem guten Bournemouth Symphony Orchestra eine wirklich hörenswerte CD herausgebracht hat. Einziger Wermutstropfen: Die deutsche Übersetzung des Booklet-Textes ist recht ungelenk.
Gernot Wojnarowicz

Audiophile Audition – 22.10.2012

Late-Romantic music from a noted twentieth-century conductor. Its lightness of touch will surprise.
Like those of other composing conductors from the early twentieth century—Weingartner, Furtwangler—Volkmar Andreae’s original works have fallen off the radar of most performers and listeners. This is a matter that Swiss label Guild is in the process of remedying, first with a series of well-received recordings of Andreae’s chamber works, and now with a foray into his orchestral music. Given the importance of Volkmar Andreae as conductor and the popularity of a number of his works with his colleagues (his Kleine Suite was performed in short order after its composition in Leipzig, Dresden, London, New York, and Detroit by the likes of Nikisch, Reiner, and Walter), it’s surprising to note that these are world-premiere recordings.
Volkmar Andreae (1879-1962) studied at the Cologne Conservatory, writing his first important works the year of his graduation in 1899. He also lived and worked briefly in Vienna and Munich before returning to his native Switzerland, where he was appointed director of the Tonhalle Orchestra of Zurich, a post he held from 1906-1949. As a conductor, Andreae introduced Mahler to Switzerland and Bruckner to Italy. In fact, he became a leading proponent of Bruckner in the early decades of the twentieth century, when the Austrian composer was little programmed. Andreae’s complete cycle of Bruckner symphonies from 1953 with the Vienna Symphony is still available on disc.
The composer’s ties with Vienna and the Munich of Richard Strauss seem evident in his orchestral works, although these influences are filtered through an artistic consciousness that was attuned to the larger musical world, one that demonstrates an individual response to musical influences. The Swiss composer’s only symphony seems a reaction to the Great War, which ended a year before the work’s premiere. In form, it’s unusual, beginning with a brief Allegro moderato introduction that is nearly monothematic, its theme recurring in the finale in cyclic fashion. The second movement is an extended funeral march that grows in intensity as it progresses; the march theme returns to haunt the finale as well, though the finale is essentially triumphant in character. The funereal second movement is followed attaca, by a light-hearted and lightly scored scherzo that would be very attractive in another setting. Following such a heavy-duty movement as the second, it seems somewhat incongruous to me. The trio of the scherzo is a folksy, Ländler-like bit that recalls Mahler’s use of this dance form, but without the sardonic edge Mahler sometimes brought to it. Despite the recurrence of sterner music from the first and second movements, the jubilation of the finale seems a little too easily won.
But the symphony is not without interest. Unlike many World War I–era symphonies I can think of, such as Franz Schmidt’s Second, Albert Roussel’s Second, or Georges Enescu’s Second, it’s less grandiose, less bloated, as if Andreae anticipated that a new orchestral esthetic was about to take hold in Europe after the collapse of Empire. The symphony’s orchestration is comparatively light and its musical statements far more forthright and economical. It may lack the depth of expression of other symphonies from the same time period, but it is refreshing in its uncomplicated approach to symphonic argument.
The same lightness of touch informs Andreae’s Notturno and Scherzo of 1918. The Notturno has an air of mystery, maybe even the haunted, about it. I don’t mean it as a dig to say that this, like other pieces on the program, sounds a bit like movie music, because when the work was written, films and film music were still in their virtual infancy. The influence was the other way round, after all—from the late-Romantic sound world of composers such as Andreae (and Zemlinsky and, yes, Schoenberg) to the film music turned out in the ‘30s and ‘40s by Erich Korngold and Max Steiner. This Scherzo is more athletic than the Symphony’s scherzo, with raucous brass entries, though the trio is gently balletic. Nice music, but I prefer the Music for Orchestra of 1929, with its harder edge, a certain driven quality that matches the more cynical mood of the ‘20s.
Small wonder Kleine Suite of 1917 was Andreae’s most popular orchestral piece, given its bright sounds, bouncy rhythms, and effective tone painting. It was inspired by carnival time in Venice, and its four movements bear titles such as “Jovial Activity at the Carnival.” The last movement, “Shrove Tuesday Carnival,” is properly joyous but has a somber middle section that surprises, like a brief glimpse of the coming Passiontide.
Volkmar Andreae’s music is very capably and sympathetically led by the composer’s grandson, Marc Andreae, one-time director of the Radio-Television della Svizzera Italiana. The Bournemouth Symphony, which has really come up in the world in recent years under conductors such as Andrew Litton, Yakov Kreizberg, and Marin Alsop, makes all the right moves for conductor Andreae and is captured in sonics that are warm and atmospheric, with a fine sense of depth. This recording will surprise and, I think, delight just about every listener.
Lee Passarella

hbdirectclassical – August 2012

This is the fourth in a series of recordings to come to us from the Guild Records label devoted to the music of Swiss composer Volkmar Andreae, and is the first to feature the composer’s orchestral music. Unless you’ve heard some of the previous recordings in the series, the high quality of Andreae’s music will likely come as a complete and delightful surprise to you.
Volkmar Andreae (1879-1962) was a conductor of considerable distinction, having held the post of Music Director of the Tonhalle Orchestra of Switerland for over 40 years. As a conductor, Andrae became most closely associated with the music of Bruckner (a complete cycle of that composer’s symphonies under his direction is available from Music and Arts – M&A 1227).
The four orchestral works to be heard on this new Guild CD are all world-premiere recordings. Three of them, Kleine Suite, Op. 27, Notturno and Scherzo, Op. 30 and the Symphony in C, Op. 31, were written in the period between 1917 and 1919. The fourth, Music for Orchestra, Op. 35 comes from 1929. Completely tonal, melodic, colorful and masterfully orchestrated, this enjoyable music will appeal to a wide range of listeners.
The major work here is the Symphony in C major from 1919. It is composed in an appealing post-romantic vein. I was reminded of a number of disparate composers along the way, including Pfitzner, Franz Schmidt, Richard Strauss, Shostakovich and Vaughan Williams. However, Andreae’s music remains completely original and uniquely his own. At just under 30 minutes, the symphony is comparatively short and is in the traditional four sections, which are played without a break between. The uncomplicated opening theme reappears throughout the work, but in transformations that often make it difficult to recognize, appearing in widely different expressive settings. Sheer enjoyment factors of the listening experience aside, Andreae’s Symphony is remarkable for many reasons – it is inventive, musically interesting, colorful and quite beautiful.
The other shorter works on the disc are equally impressive. The Notturno and Scherzo bear the perfumed harmonies of Ravel and Debussy, with musical gestures that suggest Resphighi (whose Pines of Rome and Feste Romane it should be noted were actually composed after Andreae’s work). The music of the imaginatively orchestrated Kleine Suite ranges from passages of elfin charm to full orchestra body-slams in the best manner of Mahler and Shostakovich.
Performances by the Bournemouth Symphony under the direction of the composer’s grandson, Marc Andreae, are excellent. Do yourself a favor and make the acquaintance of the little known, but incredibly enjoyable music of Volkmar Andreae.
Paul D Ballyk – Post Romantic Music

Crocks Newsletter – 13 July 2012

One of Europe’s most highly regarded conductors, who brought Anton Bruckner’s (1824-1896) symphonies to the attention of twentieth century audiences, Swiss-born Volkmar Andreae (1879-1962) was also an accomplished composer. With three widely acclaimed CDs of his chamber music to their credit (see the newsletter of 25 May 2011), Guild now gives us world premiere recordings of four major orchestral works by him. All are significant discoveries from a treasure-trove of late romantic goodies that have been gathering dust far too long.
Andreae wrote two symphonies, and it’s the later one in C major dating from 1919 that’s featured here (earlier currently unavailable on disc). Consisting of the usual four movement, the first allegro [track-1] begins with a somber reflective theme (SR) [00:05]. This undergoes a series of developmental transformations producing several memorable related ideas. A brief final coda that starts with a powerful positive reaffirmation of SR [05:11] but then turns sorrowful ends the movement in quiet grief.
The lento [track-2] opens peacefully with a lovely benign (LB) melody [00:00], only to become increasingly tragic. It turns into an overwhelming funeral march of epic proportions [04:41], making one wonder if this might be a memorial to all the victims of World War I (1914-18), which had just recently ended.
The march slowly subsides into subdued cries and sighs that transition directly into a fleeting scherzo [track-3]. This has delightfully mischievous outer sections surrounding a central rustic dance episode [01:41], which could be of folk origin.
The final allegro [track-4] follows immediately. It opens with heroic references of cinematic proportions to LB [00:00], and triumphal reminiscences of SR as well as its related ideas [0:32]. All these are consummately worked into an optimistic development that ends in a jubilant recapitulation and coda, bringing the symphony to a victorious conclusion.
A bird of a different feather, Notturno and Scherzo of 1918 is impressionistic and headed towards the expressionist world of Franz Schreker (1878-1934). There’s an Eastern exoticism about Notturno [track-5] recalling Ravel’s (1875-1937) ballet Ma mère l’oye (Mother Goose, 1908-11).
The Scherzo [track-6] is a spirited creation with a Latin dimension, and some airborne passages [02:02] reminiscent of Richard Strauss (1864-1949) Don Quixote (1896-97). There are also occasional hints of the preceding section which serve to unify the work.
Coming some ten years later, Music for Orchestra (1929) [track-7] is a brilliantly scored ten-minute piece with all the drama of a tone poem, but no apparent underlying program. It’s a sophisticated theme and variations bordering on a chaconne, and opens with hints of the rhythmically angular subject motif that soon follows [00:21].
This undergoes a variety of transformations that are sequentially spooky [00:59], domineering [03:15], sorrowful [04:27], tragic [05:54], and driven [08:10]. The last concludes the work with a final ride into the abyss, ending in a drumroll and final ff chord of damnation.
The annual Carnival of Venice festival, which has been held in that city since the twelfth century, inspired the next piece known as Kleine Suite (Little Suite, 1917). A real charmer it’s probably been the composer’s most often played orchestral work. There’s a lightness of touch along the lines of Victor de Sabata’s (1892-1967) 1934 incidental music for Il mercante di Venezia (The Merchant of Venice), which is recommended below.
Brilliantly scored, the first of its four tiny movements is a gossamer vivace representing the carnival’s celebratory atmosphere. The following slower section is a fetching love scene, while the next allegretto takes the form of a march probably related to all those masked characters parading around Piazza San Marco. The antic final vivace is a thrilling representation of the festival’s Shrove Tuesday conclusion, and will leave everyone smiling.
Volkmar wrote structurally sophisticated music in which thematic transformation and integration are of paramount importance. Consequently it requires a conductor with a good sense of phrasing and dynamics to bring out all its subtleties. With his grandson Marc Andreae on the podium, it couldn’t be in more sympathetic hands! He delivers captivating performances from the Bournemouth Symphony Orchestra that bring out all the detail in these colorful scores.
Made in the Lighthouse Concert Hall of the Poole Arts Center in Dorset, England, the recordings are clear but cavernous. They project a wide soundstage of considerable depth in a highly reverberant acoustic, which should appeal to those liking wetter sonics. There is an occasional digital edge to some of the ff violin passages.
RECOMMENDED — Bob McQuiston, Classical Lost and Found (CLOFO.com, P120713)

Die Südostschweiz – Graubünden – 16 Juni 2012

Spätes Erinnern an ein musikalisches Universalgenie
Als Dirigent, Komponist, Organisator und Kompositionslehrer hat Volkmar Andreae (1879-1962) ein halbes Jahrhundert lang das Zürcher Musikleben geprägt. Nun, 50 Jahre nach seinem Tod, wird er als Komponist allmählich wiederentdeckt.
Seine künstlerische Vielseitigkeit war legendär: Volkmar Andreae leitete den Gemischten Chor Zürich und war von 1906 bis 1949 Chefdirigent des Zürcher Tonhalle-Orchesters, nebenher leitete er den Stadtsängerverein Winterthur, den Männerchor Zürich und auch noch die Zürcher Singstudenten. Er galt als Anton-Bruckner-Spezialist, setzte sich aber früh auch für Mahler und die Moderne ein.
Veritables Multitalent
Der in Bern geborene und am Kölner Konservatorium ausgebildete Musiker amtierte von 1914 bis 1939 als Direktor des Zürcher Konservatoriums. Von 1920 bis 1925 präsidierte Andreae den Schweizerischen Tonkünstlerverein. Derselbe Mann, der 1914 den Ehrendoktortitel für Philosophie der Universität Zürich erhalten hatte, wurde später zum Artillerie Oberst ernannt und als vielseitiger Organisator bekannt. Für die Schweizer Musik des 20. Jahrhunderts war Andreae auch als Kompositionslehrer von grosser Bedeutung. Unter seinen Schülern ragen Conrad Beck, Robert Blum, Hermann Haller, Alfred Keller, Walter Lang, Paul Müller-Zürich und Robert Oboussier heraus.
Andreae war auch ein gewandter Briefschreiber. Er korrespondierte untern anderen mit Béla Bartók, Ferruccio Busoni, Paul Hindemith, Hans Huber, Zoltán Kodály, Gustav Mahler, Max Reger, Arnold Schönberg und Richard Strauss. Mehr als 1600 an Andreae adressierte Briefe und Karten, die 1986 im Zürcher Atlantis Musikbuchverlag erschienen, dokumentieren das Zürcher Musikleben von 1902 bis 1959 im Spiegel einer der einflussreichsten Musikerpersönlichkeiten der Schweiz.
Als Komponist lange vergessen
Andreaes Leben endete vor 50 Jahren, am 18. Juni 1962. Doch erst in den letzten Jahren wird das reichhalhaltige Schaffen des mit Bühnenwerken, Chormusik, sinfonischen Werken, Instrumentalkonzerten, Kammermusik und Liedern hervorgetretenen Komponisten wieder beachtet. CD-Ersteinspielungen beim Schweizer Label Guilde machen mit kammermusikalischen Kostbarkeiten wie den beiden Klaviertrios oder dem Quartett für Flöte und Streichtrio op. 43 bekannt.
Zu Andreaes Hauptwerken zählen die ebenfalls dort eingespielten Streichquartette in B-Dur und e-Moll sowie die Musik op. 35 für Orchester. In ihnen zeichnet sich die schöpferische Individualität des von der deutschen Spätromantik und vom Impressionismus beeinflussten Komponisten am deutlichsten ab. Während die Sinfonie C-Dur op. 31 infolge ihrer vielen Anleihen bei renommierten Kollegen in Richtung Kapellmeistermusik tendiert, weist die Musik für Orchester von 1929 mehr eigenes Profil auf. Die trotz ihrer Kürze von elf Minuten mehrteilig gegliederte Komposition entspricht formal einer Chaconne. Sie zeugt von der raffinierten Instrumentationskunst eines Komponisten, der als Dirigent über die Orchestermusik seiner Zeitgenossen bestens informiert war und sich gern von französischen Vorbildern anregen liess.
Kleine Suite in Zuoz komponiert
Das ist auch der 1917 in Zuoz geschriebenen Kleinen Suite op. 27 anzuhören, dem wohl populärsten Orchesterwerk von Andreae. Es wurde von Berühmtheiten wie Arthur Nikisch, Fritz Reiner, Bruno Walter und Sir Henry Wood beidseits des Atlantiks aufgeführt.
Für die mit der Zentralbibliothek Zürich zusammenarbeitende CD-Firma Guild wurde die Suite vom Enkel des Komponisten, Dirigent Marc Andreae, mit dem Bournemouth Symphony Orchestra eingespielt und mit der Sinfonie, der Musik für Orchester und Notturno und Scherzo op. 30 kombiniert. Ihren Elan, mit dem sie sich für den heute kaum mehr bekannten Komponisten einsetzen, teilen die Orchestermusiker in den Kammermusikwerken mit den Mitgliedern des Locrian Ensemble Of London.
Walter Labhart

Express.co.uk – 17 May 2012

What a find this is! Who would have thought such energetic, utterly winning music remained to be discovered — and what’s more, delivered with the kind of enthusiasm that communicates itself so winningly. No doubt the familial collection between conductor and composer helped, but the musicianship on offer here is truly cherishable. For the adventurous listener, this is one to invest in.
Barry Forshaw

magazin.klassik.com – 13.04.2012

Familienähnlichkeiten
Guild stellt Orchesterwerke des schweizerischen Komponisten und Dirigenten Volkmar Andreae vor. Stücke wie Ausführung sind von geistiger Frische und hoher Farbigkeit.
Betrachtet man die Zeichnung des Komponisten und Dirigenten Volkmar Andreae (1879–1962) und vergleicht man diese mit dem Foto des Dirigenten der vorliegenden CD, so ist eine Familienähnlichkeit unübersehbar. Ist doch Marc Andreae (geb. 1939), international renommierter Dirigent (lange Chefdirigent des Orchestra della Radio-Televisione della Svizzera Italiana) und Interpret von mehr als 100 Uraufführungen, Enkel des langjährigen Leiters des Tonhalle-Orchesters Zürich. Jetzt also dirigiert Andreae Andreae, doch leider nicht mit einem Schweizer Orchester, sondern mit dem Bournemouth Symphony Orchestra, einem beliebten Orchester im Tonstudio wegen seiner hohen Flexibilität und Einfühlung in bislang eher unbekannte Idiome. Auch das Idiom Volkmar Andreaes liegt dem Orchester bestens, so dass nur zwei Aufnahmetage für die gesamte Produktion benötigt wurden (auch dank Michael Ponders Aufnahmetechnik eine rundum gelungene Angelegenheit).
Die CD enthält vier Orchesterwerke Andreaes aus den Jahren 1917–1929. Zuerst (1917) entstand die ‘Kleine Suite’ op. 27, Andreaes bislang populärstes Orchesterwerk. Bruno Walter dirigierte die Suite in New York und München, Fritz Reiner in Dresden, Henry Wood in London, Manchester und Liverpool, und Andreae selbst brachte es mit den Wiener Philharmonikern zur Aufführung. Es handelt sich um eine Komposition, eine Art Ballettsuite à la Reger, die auf den Errungenschaften Schillings‘, Strauss‘ und ihrer Zeitgenossen aufbaut und vollständig in seinen eigenen Stil integriert. Schweifende Modulationen, pointierte Rhythmik, raffinierte Orchestrierung ergeben zusammen eine unwiderstehliche Mischung. Das Orchester funkelt und leuchtet, die Violinsoli erheben sich im langsamen Satz in ätherischste Höhen, die Bläser gemahnen an besten Bax – ein kosmopolitischer Kompositionsstil im allerbesten Sinne.
1918 entstanden ‘Notturno und Scherzo’ op. 30, ein typisches Diptychon in Busoni’scher Tradition (Busoni lebte während des Ersten Weltkrieges in Zürich). Andreaes Harmonik ist hier im Vergleich zu der ‘Kleinen Suite’ deutlich avancierter, näher an Busoni oder Schreker. Verhangener von der Stimmung her ist das ‘Notturno’ ein genuines Nachtstück, auf das Andreae im Trio des tänzerischen Scherzos ‘all’ibero’ noch einmal rekurriert. Kurz nach ‘Notturno und Scherzo’ begann Andreae mit der Komposition der Sinfonie C-Dur op. 31, einer anspruchsvollen knapp halbstündigen Komposition, die musikalische Äußerlichkeiten außen vor lässt. Ein wenig erinnert mich die Sinfonie an die Sinfonien Wilhelm Furtwänglers, doch ist Andreae nicht so ausladend; seine Strukturen sind überschaubar, auch für den Hörer. Dass Andreae die Orchestermusik seiner Zeit bestens kannte, steht außer Frage, doch etwaige Annäherungen an andere Komponisten bleiben immer nur assoziativ, deutlich weniger eklektisch als etwa in der Sinfonie D-Dur Donald Toveys (1913). Im langsamen Satz setzt Andreae Richard Strauss‘ Sinfonik in einer Weise fort, die der bayerische Meister nur etwa im ‘Idomeneo’-Intermezzo verfolgt hat (in ‘Die Frau ohne Schatten’ ist die Entwicklung angedeutet). So gelingt dem Schweizer der Coup, Strauss auf seinem ureigensten Metier, der Orchestermusik zu überflügeln. Allein für diesen langsamen Satz hätte die Einspielung schon gelohnt. Das Scherzo modelliert Andreae auf Beethovens Fünfter, doch ist sein Finale (mit Rückgriff auf die vorherigen Sätze) humorvoll-heroischer als Beethovens. Manche Orchestertextur lässt aus der Ferne an Mahler denken, doch nur augenblickhaft, ehe Andreae sogleich wieder ganz allein Andreae ist.
Nahe an die freie Tonalität begibt sich Andreae mit der 1929 entstandenen Musik für Orchester op. 35, einer Chaconne, die die Texturen und Stimmungen des Orchesters erkundet und die nach ihrer Uraufführung unter Leitung des Komponisten durch Dirigenten wie Fritz Busch, Felix von Weingartner und Hermann Abendroth aufgenommen wurde. Niemand könnte den Komponisten der anderen drei Orchesterwerke auf dieser CD unmittelbar mit diesem Werk in Verbindung bringen, zu stark ist es dem Stil der Zeit verbunden, doch ohne Konzessionen an die besonderen Fähigkeiten des Schweizer Komponisten, instrumentatorische Sensualität, klares Formempfinden, Reichtum der Einfälle. So konnte Neue Musik anno 1929 auch klingen. In jedem Takt ist intensiv zu spüren, wie viel Freude alle Beteiligten an der Einspielung der CD hatten; diese positiven Empfindungen übertragen sich auf den Zuhörer, der auch durch das Booklet nicht enttäuscht wird. Rundum empfehlenswert.
Dr. Jürgen Schaarwächter
Interpretation: ****
Klangqualität: ****
Repertoirewert: *****
Booklet: ****

Musik & Theater – April 2012

Zürcher Romantik
Eigentlich erstaunlich: Bisher sind von Volkmar Andreae in der verdienstvollen Guild-Reihe drei CDs mit Kammermusik erschienen. Erstaunlich, weil Andreae ja ein geschätzter Dirigent war und das Zürcher Tonhalle-Orchester nicht weniger als 43 Jahre (1906-1949) geführt hat. Dennoch schrieb er wenig Werke für Orchester, und die wichtigsten sind auf unserer Platte versammelt. Eine Art Familienunternehmen, präsentiert vom Enkel des Komponisten, Marc Andreae. Dieser war früher Chef beim Orchestra Bella Svizzera Italiana; hier allerdings spannt er mit dem Orchester aus Bournemouth zusammen und es gelingt ihm, das englische Ensemble zu jener sanft üppigen Gestik zu verlocken, die ein vorderstes Kennzeichen dieser Musik bleibt. Das gilt vor allem für Volkmar Andreaes Hauptwerk auf diesem Feld, seine einzige Sinfonie. Sie ist 1919 entstanden, Andreae war vierzig und verband auf einfallsreiche, oft sogar betörende Art Brahms-Nachklänge mit der spätromantischen Gestik jener Epoche. Von Bruckner, dessen entschlossener Vorkämpfer Andreae war, ist wenig zu spüren – eher von Pfitzner oder Richard Strauss. Neben zwei kleineren Stücken aus der selben Zeit fesselt die zehn Jahre später abgeschlossene Musik für Orchester. Andreaes Palette hat sich gewandelt, ein Schuss Hindemith ist unverkennbar, die Konturen werden härter, die Rhythmen prononcierter.
Mario Gerteis

Dr Marc’s Blog – March 2012

A Forgotten Composer

Just before I set off to Thailand for an examining tour in January I received through the post an unsolicited CD. I took it with me fully intending to listen to it but, as things built up, so it never got played and with pressure to review so many other discs, this one rather got overlooked. My relegating the CD was as much due to my expectation that he was just another early 20th century German composer who would, in all probability, inhabit a world of ideas more academic than emotionally communicative and, at best, likely to be unmemorable.
I finally sat down to listen to it this week and am now struck with horror at my ignorance and foolish preconceptions, for the disc is of quite remarkable music.
Volkmar Andreae (1879-1962) was a Swiss conductor whose reputation was so good that he was invited to replace Mahler as Music Director of the New York Philharmonic. He, however, chose to remain in Switzerland where he was Director of the Zurich Conservatoire and conductor of the Zurich Tonhalle Orchestra, a position he held for 43 years. He was also permanent guest conductor of the Vienna Philharmonic and a noted champion of the works of Bruckner. His entry in Grove tends to downplay his achievements as a composer; “As most of his compositions arose from his conducting associations, male choruses form a large part of his output. During his career he gradually reduced his creative work until he gave up composing altogether. Earlier works are rooted in the Romantic tradition, with Straussian orchestration, while the later music, still tonal, has a refined, transparent sound”.
I was aware of some of his choral and chamber music from earlier Guild CDs which had come my way, but nothing really prepared me for the incredible richness and scope of his orchestral writing. True, Richard Strauss is very obviously an influence in the Symphony, where the second movement in particular, is a fine example of lavish, opulent orchestration and glorious harmonic riches, and I detect quite a bit of Sibelius in the gloriously exuberant final movement of the Kleine Suite, but with things like the strangely questing Music for Orchestra there is something much more original and distinctive. I am not surprised to learn from Robert Matthew-Walker’s very extensive booklet note that this work was much admired by such conductors as Fritz Busch, Felix Weingartner and Herman Abendroth. My puzzle is why it, along with everything else on this disc, has fallen so completely into obscurity.
The disc is promised as part of a project to “make available to music lovers worldwide the range of this great musician’s achievements” and is actually the first commercial recording of Andreae’s orchestral works. Too often on disc in the past great music has been resurrected to great enthusiasm and lavish critical acclaim, which has never translated into concert performances. I am sufficiently convinced by the music on this disc that this is a composer well worth exploring and I will be recommending it to just about anyone who listens to me.
It helps, of course, that these are such compelling performances from the Bournemouth Symphony Orchestra. Whether or not the conductor, Marc Andreae, is in any way related to the composer I cannot tell; he was born in 1939 but no biography goes further than to suggest he was born “into a family long prominent on the Swiss music scene”. Family connection or not, these are powerfully committed performances which do not so much show a determined advocacy of the composer as an utterly convinced appreciation of the supreme quality of this music. Guild CDs are terribly easy to buy from their website www.guildmusic.com, and I suggest you do just that.

International Record Review – March 2012

Guild - Marc Andreae - conductor

Guild has issued three CDs in recent years of chamber music by Volkmar Andreae (1879-1962), best known, of course, as a conductor. I was certainly impressed by its release of Andreae’s complete quartets (reviewed in December 2009), as was Raymond Tuttle in the June 2007 and March 2011 issues. The re-evaluation of Andreae as a composer takes a major step forward, however, with the present disc of four orchestral works presented by the composer’s grandson – himself a distinguished conductor – in world premiere recordings. The music is both characterful and delightful and brings Andreae’s musical personality into sharper focus; moreover, the principal work here, his Symphony in C major of 1919, is clearly a major utterance that richly deserves its revival.
The work’s four movements run without a break, forming a compelling sequence and lasting about half an hour, throughout which Andreae’s utterly assured command of a large orchestra is never in doubt. He dedicated it `To the Philosophical Faculty of Zürich University’ – which had awarded him a doctorate after he had delivered a series of lectures there on `Beethoven and Form’ – but (although Hermann Scherchen sneered that it was `a kapellmeister piece’) there is nothing academic about this deeply felt symphony. He establishes a subtle sense of organic unity through thematic transformation of some of the first movement’s principal ideas, the very opening of the work providing a four-note motif that runs through the slow movement. If the occasionally overheated chromaticism of the first movement and parts of the finale are reminiscent of Strauss, Pfitzner or Reger, the skill and firm sense of direction in Andreae’s polyphonic writing continuously compel admiration, and the inner movements are more clearly individual.
The Lento slow movement, in and around the distant tonality of B major, is cast as a profound vet not emotionally overbearing funeral march: the nearest the work comes, perhaps, to disclosing its date of composition in the immediate aftermath of the World war from which Switzerland had been largely spared.
The brilliant Allegro molto scherzo has a pastoral freshness and gaiety that turns pawkily rustic in the trio section but grows ever more ebullient in the thrilling brass writing of the scherzo’s reprise. The reminiscences, both of the funeral march and of the symphony’s opening, that occur during the finale help to offset the more optimistic and tuneful aspects of the last movement, though I found this was the one that stuck most tenaciously in my mind after a couple of playings. Robert Matthew-Walker’s informative booklet notes declare that `it is surely no exaggeration to claim that it is arguably the finest such work by a Swiss composer’: a verdict about which the increasing number of admirers of the symphonic output of Andreae’s almost exact contemporary Fritz Brun might have something to say (let alone the five symphonies of Honegger!), but the Symphony is certainly a deeply impressive utterance, and Fm delighted to have made its acquaintance.
Andreae had Italian ancestry, something which shows in the unforced spontaneity and grace of his melodic writing, which can be savoured in the Kleine Suite of 1917 and the Notturno and Scherzo of 1918. Though composed immediately prior to the Symphony, these are works of an altogether more Mediterranean, less Germanic orientation. Moreover, they remind us of the fact that Andreae became a great friend of Ferruccio Busoni, several of whose late orchestral works he premiered during the latter’s self-imposed Swiss exile during the First World War. Do we detect a whiff of Busoni’s Arlecchino in the four short, incisively characterized movements of the suite, a highly entertaining yet pithy and witty kaleidoscope inspired by the masked Carnival in Venice? And what relationship, if any, does the gorgeously evocative diptych of Nocturne
and Scherzo, dedicated to Zurich’s Tonhalle Orchestra, bear to Busoni’s great Sarabande and Cortege, that pair of studies for Doktor Faust, dedicated to Andreae and whose premiere Andreae conducted (with the Tonhalle Orchestra) in Zurich in March 1919? In fact, as far as I can work out, Andrcae’s piece must have preceded Busoni’s by a few months, but maybe the two composers’ proximity, and community of expression, rubbed off on each of them. Actually the phosphorescently scored, near-atonal opening of the Notturno is more reminiscent of Busoni’s Nocturne symphonique of 1912, while the raffish and hugely enjoyable Scherzo, edged round though it is with a little nocturnal spookiness, has a certain downrightness and melodic generosity that is Andreae’s own.
The Music for Orchestra is the latest piece here, written a decade after the Symphony. Dedicated to Werner Reinhart, this highly inventive piece – in a leaner, spikier, rather more dissonant idiom than the earlier works – is a colourful set of variations organized around a chaconne bass. Within its relatively short length it accumulates considerable power, and I find myself regretting that Andreae didn’t go on from here to create a second symphony.
There is clearly much more than filial piety in Marc Andreae’s performances: all of this is music that glories in the sonorous possibilities of the twentieth-century orchestra and serves up the vivid colouring accordingly, and the Bournemouth Symphony Orchestra acquits itself admirably in such unfamiliar repertoire. Guild’s sonics are first-class. This important release should appeal to collectors of European orchestral music from the inter-war period.
Calum-MacDonald

Basler Zeitung – Februar 2012

Musikpapst von Zürich
Jubilar.
Vor 50 Jahren starb ein heute fast vergessener Schweizer Dirigent und Komponist, der zu seiner Zeit eine grosse musikpolitische Machtfülle hatte. Volkmar Andreae (1879-1962) war über 40 Jahre lang Chef des Tonhalle-Orchesters und machte sich unter anderem als Bruckner-Dirigent einen Namen. Nicht «seine» Tonhalle, sondern das Bournemouth Symphony Orchestra widmet ihm eine vom Sohn Marc Andreae geleitete Aufnahme, die vier Orchesterwerke erstmals auf Tonträger zu Gehör bringt. Es ist Musik von spätromantisch ausgreifendem Gestus, effektvoll, auch durchschaubar in der Wahl der Mittel – Kapellmeistermusik: Der längste Satz der C-Dur-Sinfonie ist eine schwermütige Passacaglia in Moll, gefolgt von einem Scherzo voller Elfenzauber ä la Mendelssohn mit einem ländlerhaften Trioteil. Pausenlos geht das ins marschartig-pathetische Finale über, das etwas an Richard Strauss anklingt. Verspielt und witzig ist ein streicherisch delikates Notturno, originell mit Flatterrungen-Effekten eine «Musik für Orchester» von 1929. bli

The Times – 4 February 2012

It’s typically Swiss, perhaps, to overlook one of your country’s major composers to such an extent that the first commercial recording of his finest works has been made by a British orchestra (albeit with Swiss money). Volkmar Andreae not only conducted the Zurich Tonhalle Orchestra for 40 years, but also wrote luscious music reminiscent of Franck, Stravinsky and Strauss, yet with a zest all its own. Conducted by Marc, his grandson, this selection includes his remarkable First Symphony and the dramatic Music for Orchestra, which seems like the soundtrack for some undisclosed melodrama. A delightful rediscovery.
Richard Morrison
© 2012 Times Newspapers Ltd. All rights reserved

MusicWeb International – February 2012

Though not labelled as such, this is the fourth volume in an impressive series by Guild dedicated to the music of Swiss composer Volkmar Andreae. It follows three discs of chamber music – see enthusiastic reviews of his Piano Trios, String Quartets, and Violin Sonata.
Andreae is best known as a conductor, a devoted early advocate of Bruckner and the first to record the final version of his First Symphony, with the Austrian State SO – available on Forgotten Records CD FR 167, but this review of a recent 9-CD collection issued by Music & Arts gives some idea of what a fine conductor, of Bruckner especially, he was. Andreae also famously declined the New York Philharmonic’s offer for him to replace Mahler as director on the latter’s death in 1911, preferring to stay with his beloved Tonhalle Orchestra in Zurich.
There is a little of Mahler in Andreae’s Symphony in C, but not very much; in fact, his originality is such that no other composer is obviously called to mind – Respighi at a push? While he was at the height of his powers as a conductor, other great conductors – Nikisch, Reiner, Walter – were sufficiently impressed by his composing talent to include his works in their own programmes and tours.
Despite coming at the end of the Great War, and regardless of what the avant-garde of that period was up to, the four-movement Symphony, though not particularly profound, is a memorable, uplifting work of far and wide appeal: entirely tonal, melodic, beautifully structured, and orchestrated with superb clarity and colour. Why the Tonhalle Orchestra let this slip from their repertoire is puzzling – their website barely even mentions Andreae, in fact. In this, the fiftieth anniversary year of his death, what better way for the Orchestra to make amends than by reinstating what must be one of the finest Swiss symphonies?
The Notturno is somewhat darker in character than the Symphony, as is to be expected, but the conjoined Scherzo lifts the spirits with some Mediterranean blue sky. The Little Suite, an attractive Respighian depiction of the Venetian Carnival in four parts, completes the trilogy of works from the same fruitful period. A decade on, Music for Orchestra is a characterful work along the lines of a distilled companion-piece for the Symphony, yet also rather balletic or programmatic in sound.
All the works are given an aromatic, breezy, cohesive performance by the excellent Bournemouth Symphony Orchestra under the experienced Marc Andreae, who is the composer’s grandson. Sound quality is good, if not outstanding in its tutti definition. The detailed and informative booklet notes are English-language original, well written by Robert Matthew-Walker.
There is, thankfully, more to come in the future from Andreae on Guild: pianist Fali Pavri’s website promises the premiere recording this summer of the Piano Concertos for release next year, again with the Bournemouth Symphony Orchestra under Marc Andreae.
Memorable and uplifting … music of far and wide appeal: entirely tonal, melodic, beautifully structured, and orchestrated with superb clarity and colour.

Neue Zürcher Zeitung – 16.01.2012

Alfred Zimmerlin
Volkmar Andreae (1879–1962) war zunächst ein höchst bedeutender Schweizer Dirigent: Während über vierzig Jahren, von 1906 bis 1949, war er Chef des Tonhalle-Orchesters Zürich, 1953 nahm er mit den Wiener Symphonikern den ersten kompletten Bruckner-Zyklus auf – und 1911 lehnte er die Berufung ab, als Nachfolger Gustav Mahlers nach New York zu reisen, da ihm seine Zürcher Verpflichtung mehr am Herzen lag.
Auf der Höhe seiner Zeit
Dass er in seiner Zeit auch ein durchaus erfolgreicher Komponist war, geht indes gerne vergessen. Das Neujahrsstück der Zentralbibliothek Zürich auf das Jahr 2012 schliesst eine wichtige Lücke und veröffentlicht vier Orchesterwerke Andreaes auf einer CD. So zeigt ihn die 1919 entstandene Sinfonie C-Dur op. 31 als eigenständigen Komponisten auf der Höhe seiner Zeit. Sie ist konzis formuliert, von starker Wirkung. Noch ist die Tonsprache tonal; Gustav Mahler war acht Jahre zuvor gestorben, und hörbar hatte Andreae dessen Sinfonik in sich aufgesogen.
Aber eklektisch ist Volkmar Andreaes Opus 31 mitnichten. Auf jeder Ebene geht der Vierzigjährige eigene Wege; er ist abstrakter und drängt spürbar in neue musikalische Ausdrucksbereiche vor, ohne mit der grossen sinfonischen Tradition zu brechen. Die viersätzige Sinfonie würde in den Konzertsälen neben Mahler, Ravel, Korngold, Schönberg einen eigenen Platz verdienen. Wenig verständlich ist deshalb, warum das Tonhalle-Orchester den 50. Todestag Andreaes im kommenden Juni nicht mit einerAufführung des Werkes ehrt. Von 1929 stammt die einsätzige «Musik für Orchester» op. 35, und welchen Weg hat der Komponist in den zehn Jahren zurückgelegt! Die Tonsprache ist avanciert, die Form hat eine packende Strenge, die Orchesterfarben klingen neu. Auffällig, wie Andreae aus einem konstruktiven Nukleus eine Vielfalt von musikalischen Charakteren ableitet, die in ihrer Abfolge einen geradezu theatralischen Sog entwickeln.
Fesselnde Zugaben
Beigegeben sind zwei etwas leichtfüssigere, aber nicht minder fesselnde Orchesterwerke: «Notturno und Scherzo» op. 30 (1918) und die «Kleine Suite op. 27» (1917). Alle vier Werke erscheinen erstmals auf einem kommerziellen Tonträger. Das Bournemouth Symphony Orchestra spielt unter der Leitung des Enkels des Komponisten, der ebenfalls ein bedeutender Dirigent geworden ist: Marc Andreae.