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GHCD 2394 – Leonid Kogan plays Brahms & Khachaturian

Leonid Kogan (violin), Philharmonia Orchestra, Kyril Kondrashin (conductor), Boston Symphony Orchestra, Pierre Monteux (conductor)

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klassik.com – 18.11.2012

Wahrhaftig
Leonid Kogans Violinkunst ist atemberaubend, sowohl bei Brahms als auch bei Khatchaturian.
Wer sich nur mit modernen Violinkonzert-Einspielungen befasst, kann nicht einmal ahnen, was es für Schätze aus der Vergangenheit gibt. Natürlich gibt es entsprechende Conoisseurs und auch regelrechte Fachleute, deren Liebe für Interpretationen der Vergangenheit wegen der manchmal doch recht zweifelhaften Klangqualität für längst nicht alle nachvollziehbar ist. Dieses trifft auf die vorliegende CD mit zwei klanglich ausgezeichneten Produktionen aus der frühen Stereo-Ära nicht zu, die ebenso ausgezeichnet restauriert wurden.
Leonid Kogan (1924–1982) war ein Geiger, der neben vielen seiner Zeitgenossen, nicht zuletzt dem russischen Kollegen David Oistrakh, fast zeitlebens im Schatten stand, wenngleich nicht zu Recht. Gerade dieser Tage soll Kogans Einspielung des Tschaikowsky-Violinkonzerts bei EMI wieder auf den Markt kommen, vor wenigen Monaten kam ein Mitschnitt des Khatchaturian-Konzertes bei Supraphon heraus, doch viele der seinerzeit legendären Kogan-Aufnahmen (etwa aus den Häusern EMI und RCA) sind lange nicht mehr lieferbar. Dem hilft Guild Historical jetzt ab, und um es vorweg zu nehmen: Das Ergebnis ist atemberaubend.
Das Brahms-Violinkonzert in D-Dur kennt man zur Genüge, und für das Philharmonia Orchestra des Jahres 1959 müsste man auch nicht unbedingt zu dieser Aufnahme greifen, auch wenn das Orchester (zu keiner Zeit seines Bestehens das beste Londoner Orchester) gut in Form ist und einen warmen, einfühlsamen, gleichzeitig ausgesprochen klar konturierten und kraftvollen Beitrag leistet. Doch es ist Kogan, der mit seinem Spiel viele Interpreten neuerer Zeiten an die Wand spielt. Klarheit, Wärme, Innerlichkeit und eleganter Ton sind Qualitäten, die natürlich auch heutige Künstler aufbieten können, doch die unbedingte künstlerische Wahrhaftigkeit, die Kogan zusammen mit Kyrill Kondrashin vermittelt, sucht ihresgleichen und erinnert mich sogleich an die ebenso legendären Einspielungen der Liszt-Klavierkonzerte mit Svjatoslav Richter, gleichfalls unter Kondrashin. Die Struktur der Komposition wird äußerst klar herausgearbeitet, sowohl im umfangreichen Kopfsatz als auch in den beiden weniger umfänglichen, doch nicht weniger Schönheiten und Tiefe bergenden folgenden Sätzen. Im langsamen Satz beeindruckt mich sogar das Oboenspiel (Leon Goossens‘?), das mir an anderer Stelle einen Hauch zu scharf klingt (eine typische Eigenheit des ‚Philharmonia Sound‘). Die Intimität, die Kondrashin dem Satz angedeihen lässt, lässt andere Interpreten geradezu oberflächlich klingen.
Ähnlich beeindruckend ist Kogans Interpretation von Khatchaturians 1940 (für Oistrakh) entstandenem Violinkonzert c-Moll, eingespielt zusammen mit dem Boston Symphony Orchestra unter Pierre Monteux. Zwar muss man sich an die doch ganz andere Aufnahmeakustik im Boston des Jahres 1958 erst ein wenig gewöhnen, doch klingt Kogans und Monteux‘ Einspielung (entstanden unmittelbar nach Kogans USA-Debüt) weitaus klarer und eleganter als etwa Khatchaturians eigene frühe Decca-Studioaufnahme von 1956 mit dem gleichfalls unverdient vergessenen, jüngst verstorbenen Ruggiero Ricci (1996 und 2003 auf CD einen Halbton zu tief vorgelegt). Nun kann man diskutieren, ob Eleganz eine richtige Qualität für Khatchaturians stellenweise fast archaisch anmutende Musik ist, doch gelingt es Monteux und Kogan, auch aus dieser gänzlich anderen Perspektive (und mit sehr viel klarer durchhörbarer Aufnahmetechnik) im Kopfsatz einen stellenweise geradezu beängstigenden Sog zu entwickeln, der der Essenz der Komposition entspricht. Im langsamen Satz hören wir gelegentlich fast impressionistische Klänge, im Finale geradezu umwerfenden Elan. Vielleicht ist manchem der Orchesterklang etwas zu elegant – Khatchaturians eckige Kanten werden durch die Bostoner etwas abgeschliffen –, doch das Ergebnis bleibt atemberaubend und äußerst überzeugend. Gerade da Khatchaturians eigene Studioproduktionen (für EMI mit Oistrakh noch in Mono, für Decca mit Ricci) aus unterschiedlichen Gründen derzeit nicht mithalten können und weder Neeme Järvi noch Antal Doráti ähnlich halzbrecherische Tempi im Finale an den Tag legen, eine wichtige, eine mit- und hinreißende Wiederveröffentlichung. Ein informatives Booklet in typischer Guild-Qualität rundet eine insgesamt sehr empfehlenswerte Produktion.
Jürgen Schaarwächter, 18.11.2012

Audiophile Audition – 21.10.2012

Leonid Kogan’s patrician art finds ample representation in these two concertos, inscribed during his Western sojourn 1958-1959.
Of the legion of superb musicians out of Soviet Russia, Ukrainian violinist Leonid Kogan (1924-1982) remains notable for his immaculate skill and natural, patrician bearing and nobility of line. An unabashed admirer of Jascha Heifetz, Kogan consciously attempted to recreate that peerless master’s style, insisting on playing on all four steel strings. While this approach did not yield particularly “flexible” results, the intense power of expression and brilliant resonance became as identifiable a trademark for Kogan as a burnished tone defined a Heifetz interpretation.
Guild resurrects two important historic inscriptions from Kogan: his Abbey Road (22, 26 February 1959) performance of the Brahms Concerto with Kondrashin and his RCA (12-13 January 1958) performance of the Khachaturian Concerto, the work with which Kogan had made his American debut in Boston. Conductor Monteux himself had been unfamiliar with the Khachaturian Concerto, having to learn the piece quickly but therefore communicating a degree of freshness – and exactness – that makes the collaboration singularly electric. The audio restoration by Peter Reynolds casts a particularly fine edge on the Brahms Concerto, a broadly sumptuous reading that achieves the colossal girth we associate with the Oistrakh-Klemperer and Milstein-Jochum readings. Kogan had made his Moscow debut in 1941 with the Brahms Concerto under Alexander Gauk; and when Soviet-American politics permitted a thaw for classical music in otherwise Cold War relations, Kogan recorded the work in London as part of his Western tours between 1955-1959.
Typical of the Philharmonia Orchestra’s period recordings – even given the untimely passing of French horn master Dennis Brain – the acuity and response of the string, wind, tympani, and brass sections proves eminently clear and rife with nuance. Kogan’s attacks, often rasping and driven, urge the musical line forward, yet his soft passages never want sympathy or natural, breathed phrasing. The orchestral tuttis prove as monumentally compelling as Kogan’s taut and sinewy contribution. The oboe contribution in the Adagio (Leon Goossens?) sails mellifluously, complementing Kogan’s ardent cantilena in marvelous harmony. The stinging gypsy Rondo compels our attention from the opening flurry, and the intensity only needs our audience to make the dramatic closure complete.
The 1940 Khachaturian Concerto, originally a showpiece designed with David Oistrakh in mind, serves the Kogan mystique equally well, his crisp and fervent playing slicing through the fast and exotic episodes with razor-sharp acuity, and his articulation of the espessivo sequences equally sweet as the propulsive aspects toss lightning. We need add few superlatives to recommend the BSO as an accompanying ensemble, the flute, clarinet, piccolo snare, and even tambourine elements held in perfect symmetry by the inimitable Monteux, the quintessential Gallic colorist. The distinctive Armenian color that infiltrates the first and last movements shines forth, and the second movement Andante sostenuto features Kogan’s pairing with clarinet and low winds in music that might have graced the Spartacus ballet. For a musical aristocrat’s visions of two concerto staples, you cannot ignore Leonid Kogan in these masterworks.
Gary Lemco