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GMCD 7398 – Memorias – Guitar Music played by Admir Doçi

Admir Doçi (guitar)

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Akustik Gitarre März 2014

Der in der Schweiz lebende Gitarrist albanischer Herkunft spielt unter anderem eine dreizehnsaitige Gitarre von Ermanno Chiavi — zehn auf dem Griffbrett, drei frei schwingend. Bei der Fantasia X von Luys de Narvaez bespielt er sechs Saiten, und bei Visées c-moll-Suite beeindrucken dann die ungeahnten Bässe. Das Spiel wird bei Doçi dadurch keinesfalls schwerfällig, man höre nur die nett verzierte kleine Viseé-Courante. Es folgt eine dreisätzige D-Dur-Suite des Bayreuther Geigers und Lautenisten Bernhard Joachim Hagen (1720-1787), ein nettes Werk der Vorklassik mit interessanten Modulationen, eine gute Entdeckung fürs Repertoire; das Allegro moderato mit seine markanten Bassmotiv böte sich glatt für die Pop-Musik an. Doçi hat seine Dämpftechnik bestens im Griff, da dröhnt nichts unkontrolliert weiter, wie virtuos es auch immer prasseln mag. Fernando Sor schrieb einige wenige Werke für die um 1830 erfundene Harpolyre eines J. F. Salomon, ein Instrument mit Gitarrenbesaitung plus diatonischen höhere und sechs zusätzlichen Basssaiten. Da ist es nur logisch, dass Doçi dessen ,Marche funèbre‘ auf seinem Instrument spielt. Es gelingt ihm dabei, den fast neunminütigen, quasi orchestral angelegten Trauermarsch plausibel und an keiner Stelle kitschig zu gestalten. ,Memorias‘ sind acht unterschiedlich lange Stück des Schweizer Komponisten, Literaten und Dichters Martin Schmid (Jahrgang 1971). Auf diese ruhigen, sparsamen Klänge muss man sich einlassen, muss sie mehrfach hören, den eine solche fast intime Tonsprache ist nicht jedermanns Sache. Der Rezensent jedenfalls ist begeistert.
Wieland Ulrichs