Reviews

GMCD 7282- Piano Music by Hermann Goetz & Heinrich Schulz-Beuthen

Kirsten Johnson – Piano

To the CD in our Shop


Schweizer Musikzeitung, Juli/August 2006

Auf der vorliegenden CD begegnet man Klaviermusik zweier deutscher Komponisten, die sich eine Zeit lang in der Schweiz aufgehalten haben. Hermann Goetz, 1840 in Königsberg geboren, lebte von 1863 bis zu seinem frühen, durch Tuberkulose verur-
sachten Tod 1876 als Organist, Pädagoge und Komponist in Winterthur und Zürich. Etwas anders liegt der Fall bei seinem Zeitgenossen Heinrich Schulz-Beuthen, der in Oberschlesien aufwuchs und sich als Studienkollege von Grieg in Leipzig bei Moscheles und Reinecke zum Komponisten ausbilden liess. Nach seinem Studium lebte er nur kurze Zeit, ohne Spuren zu hinterlassen, in Zürich (wo Richard Wagner, Gottfried Keller und Mathilde Wesendonck zu seinen Freunden und Bekannten zählten), um dann den grössten Teil seines Lebens in Dresden zu verbringen.
Die Klavierwerke von Goetz sind eine schöne Entdeckung. Stilistisch sicherlich von Schumann beeinflusst, nehmen die beiden Klavierzyklen durch ihre poetischen Stimmungen, ihre Konzentration auf das Wesentliche und ihre Intimität für sich ein. Gerne würde man ähnlich Positives über die mehr als halbstündige Alhambra-Sonate op. 34 von Schulz-Beuthen schreiben, die 1878-1882 nach einem Besuch in Granada entstand, aber leider vermag seine etwas banale und harmonisch mässig originelle Musik trotz einzelner bemerkenswerter Passagen das Interesse nicht dauerhaft wach zu halten.
Die amerikanische, in Grossbritannien lebende Pianistin Kirsten Johnson nimmt sich der unbekannten Werke mit viel Engagement an. Ihr Spiel ist transparent und lässt die einzelnen Stimmen plastisch hervortreten. Technisch sind ihre Interpretationen untadelig, sie könnten einzig klangfarblich noch etwas differenzierter sein.
Daniel Lienhard

American Record Guide March/April 2006

Hermann Goetz (1840-76) was born in Konigsberg and studied mathematics and physics. He only began learning the piano when he was 17, but by the time he was 20 he was studying conducting, piano, and composition at the Stern Conservatory in Berlin. One of his teachers, Hans von Bülow, considered him one of his most gifted students. By age 23 he had moved to Switzerland, where he remained for the rest of his life. From 1867 an he was teaching, composing, and performing in Zurich and was considered the city’s leading musical figure. By the early 1870s he was considered one of German-speaking Europe’s central composers. Yet by 1872 ill health forced him to concentrate an composing. He died of tuberculosis in 1876.
His piano compositions, like his playing, lack the all-out virtuosity of Brahms and Liszt. But they are products of what he called a “middle difficult Chopin technique”. The Loose Leaves were written in the 1860s and the Genre-Paintings were products of the 1870s. Both are rather Schumannesque.
Heinrich Schulz-Beuthen (1838-1915) was born in Silesia where he studied chemistry initially. In the 1860s he gave himself to music and from 1862-5 he studied with Moscheles and Reinecke at the Leipzig Conservatory. He spent 1866-80 in Zurich. Following a nervous breakdown he moved to Dresden, where he spent most of the rest of his life.
Although he wrote extensively, including five operas, most of his manuscripts were destroyed in the fire-bombing of Dresden in 1945. It is known that Liszt admired his compositions, but many of his contemporaries felt him to be too daringly modern. Most of those compositions no longer exist, so we can’t judge them. Enough has survived that we know that he was a composer of considerable gifts.
Among his most substantial surviving Works is the Alhambra Sonata of 1878. He wrote this after a visit to the Alhambra in Spain. The work is in a most un-classical six movements. Although he studied a work an ancient Arab music before writing it, the Arab influences are really rather scant. Even so, the whole work is interestingly written; it has a movement titled ‘Battle Piece’ that is almost a turbulent tone poem an its own that begins in F-sharp, modulates to C and has a central trio in E-flat. The other five movements are also very attractive.
This well played and very well recorded CD gives us the opportunity to hear some out-of-the-way Works. The notes are very fine, too.
BAUMAN

Der Landbote, Winterthur 13.08.2005

CD mit Klaviermusik von Hermann Goetz
„Con amore“ auf lose Blätter komponiert
Der Name Hermann Goetz klingt in Winterthur noch immer vertraut. Dafür sorgt nicht nur die Adresse, sondern auch ein bis jetzt nicht versiegtes Bemühen, seine Musik lebendig zu halten, weil sie es verdient.
Als Nachfolger von Theodor Kirchner trat der ebenfalls in Deutschland geborene Bülow-Schüler Hermann Goetz (1840-1976) aus Königsberg im Jahre 1863 die Stelle als Organist an der Stadtkirche Winterthur an. Nachdem er hier die noch stark von seinem Vorbild Mendelssohn Bartholdy beeinflusste «Frühlingsouverture» (1864) komponiert hatte, wandte er sich der Klaviermusik zu. Mit den zwischen 1864 und 1869 geschriebenen «Losen Blättern» op.7 schuf Goetz einen pianistischen Zyklus, der bereits von einer eigenständigen Ausdrucksweise und sicherer Handhabung des Klaviersatzes zeugt.
Hatte Goetz schon 1865 in Winterthur zwei der insgesamt neun Stücke uraufgeführt, so schrieb er nach der lange verzögerten Werkvollendung am 10. März 1869 an den Berner Schriftsteller Joseph Viktor Widmann, den Textdichter seiner komischen Oper «Der Wi-derspenstigen Zähmung» nach Shakespeares gleichnamigem Lustspiel, bezüglich dieser Charakterstücke und Stimmungsbilder: «Ich habe kürzlich ein Heft Klavierstücke fertig gemacht, an dem ich ganz con amore Jahre lang bald eins, bald wieder eins gemacht habe. Da jedes aus einer ganz klaren Stimmung hervorging, war es nicht schwer, Ueber-schriften für sie zu finden. Ich schreibe sie Dir gerade her: 1. Spiele, Kind, in der Mutter Schoos! 2. Frisch in die Welt hinaus! 3. Einsamkeit, 4. Elfenspuk, 5. Bei Dir! 6. Ihr flüchtigen Winde, wohin, wohin? 7. Heimathklang, 8. Frühlingswonnen, 9. Auf Wiedersehn!» Mit der Widmung «Frau Clara Schumann in Verehrung zugeeignet» erschienen die von der Musikerin leider nicht in ihr Konzertrepertoire aufgenommenen Stücke erstmals 1870 bei Breitkopf & Härtel in Leipzig.
Erste Gesamteinspielung
Zehn Jahre nach der von Harry Joelson-Strohbach besorgten Neuausgabe unter der Nummer BP 2270 im Amadeus-Verlag (Bernhard Päuler) in Winterthur liegen diese romantischen Kostbarkeiten erstmals in einer Gesamteinspielung vor. Die aus den USA stammende, jetzt in England lebende Pianistin Kirsten Johnson hat sich die Aufgabe ziemlich leicht gemacht. Sie verzichtet nicht nur auf die musikalisch durchaus berechtigten Wiederholungen, sondern auch auf Poesie und Ausdruckstiefe. Der Aufforderung «Frisch in die Welt hinaus! » kommt sie mit reichlich angriffigem Spiel nach; «Bei dir! »entbehrt der zu erwartenden emotionalen Wärme; der «Frühlingsgruss» gleicht mehr einer spielerisch gemeisterten Etüde als einem Stimmungsbild. Der romantischen Grundhaltung des Komponisten entsprechen am ehesten die auch klanglich differenzierteren Darstellungen des besonders ausdrucksvollen Stücks «Heimatklang» mit seinen Anlehnungen an Robert Schumanns Fantasie op. 17 und der ohne Frédéric Chopins melodische Eleganz kaum denkbare Epilog «Auf Wiedersehen!».
Zur Aufwertung der in der Reihe «Musik aus der Zentralbibliothek Zürich» erschie-nenen CD trägt die auf die «Losen Blätter» folgende Gesamteinspielung der zwischen 1870 und 1876 in Zürich entstandenen «Genrebilder» op. 13 (Neuausgabe: BP 2272, Amadeus-Verlag) desselben Komponisten bei. Zwar gelten auch da die oben vorge-brachten Einwände, doch trifft Kirsten Johnson in diesen wesentlich kürzeren und prägnanteren Stücken den lyrischen Grundton der Klaviermusik von Hermann Goetz besser. Im abschliessenden Larghetto, einem zart gesponnenen Wiegenlied in der recht seltenen Tonart Ges-Dur, stösst die zuletzt von Ronald Smith ausgebildete Pianistin sogar zu beeindruckender Nachdenklichkeit und erstaunlichen klanglichen Feinheiten vor.
Plaudereien
Die zur Ergänzung beigesteuerte, weit ausschwingende Albambra-Sonate op. 34 von Heinrich Schulz-Beuthen (1838-1915), einem Schüler von Ignaz Moscheles und Carl Reinecke am Leipziger Konservatorium und Wagner-Freund aus dessen Zürcher Kreis, hinterlässt ihrer Substanzarmut wegen leider nur sehr zwiespältige Eindrücke. Dass sich in den sechs Sätzen der zu Unrecht als Sonate bezeichneten Komposition mit Suiten-charakter trotz Titel wie «Eintritt in der Albambra» oder «Im Garten Xeneralife» (Generalife) weder Themen aus der Volksmusik der Region Granada noch sonstige Hispanismen finden, muss einem letztlich spanisch vorkommen. Wo bei Goetz warm empfunden und subtil gestaltet wird, werden bei Schulz-Beuthen nur oberflächliche Plaudereien abgehalten und die entsprechenden kompositorischen Klischees von pianistischer Programmmusik ziemlich wahllos aneinander gereiht – lose Blätter auf eine andere Art. WALTER LABHART

MusicWeb Monday May 16 2005

For admirers of romantic era piano music especially those partial to Schumann and floral romance. If you like one of these two CDs you will want the other as well. …
The last time my path crossed with the music of Schulz-Beuthen it was for a review of Sterling CDS-1049-2 reviving a handful of his orchestral works. That disc is now joined by these two from Guild.
Schulz-Beuthen was Silesian. Like Borodin his main profession was as a chemist in his Schulz-Beuthen’s case in Breslau. His teachers were Reinecke and Moscheles. Grieg and Svendsen were among his fellow students. He moved to Switzerland where he found company in the circle of Mathilde Wesendonck, Wagner and Gottfried Keller (the novelist on whose book Delius based his opera, A Village Romeo and Juliet).
He was a prolific writer. There are ten symphonies – eight complete and the last two of which were left unfinished. There are ten oratorios and much else. On the showing of that Sterling disc his orchestral music bears out various influences: obstreperous Beethoven, romantic Schumann. There is Brucknerian exclamation as well as serene Elgarian string writing. Most of his manuscripts were destroyed in the fire-bombing of Dresden in 1945.
The piano music on the all Schulz-Beuthen disc was written between 1873 and 1880, predominantly 1873-4.
The Three Pieces Op. 16 are mostly Brahmsian in type although No. 1 is much closer to the dreamily musing Schumann. The Op. 17 Stimmungsbilder are free-ranging mood-pictures in which a Chopin-like elegance brushes the romance of Schumann. From a year later come the Five Piano Pieces Op. 19. The playful Baroque pointing of the Allegro giocoso from this set is very nicely done (tr. 10) as is the glittering and supercharged music-box jollity of the Allegro fantastico (tr. 13). The Op. 22 set starts most unheroically despite the title which seems to have been picked up rather casually from the last piece: allegro eroico. There is an ineffable Brahmsian contentment about the lovely poco moderato (tr. 16) and this is superbly put across by Kirsten Johnson.
The Drei Clavierstucke – Cyklus in Sonatenform Op. 23, start off with a rather stiff and dispiriting Allegro followed by a delicate and fragrant allegretto moderato. The final movement with its Mozartian trilling and oddly Brahmsian effusion brings to an end a not entirely successful sequence.
In 1880 there came the four movement Abshchieds – Klange – Gedenk-Blätter Op. 28. The bell-like music-box moto perpetuo chimes away: Brahms-lite. There is a playful winking allegretto moderato which looks back to Mozart. However the andantino con espressione reconnects with the idioms of Brahms and Schumann.
Pleasing music-making here. Op. 16 No. 1 as well as Op. 22 No. 3 make this something that admirers of the romantic piano school must hear.
The second CD mixes Herman Goetz (feted on CPO and Genesis) with a single epic sonata by Schulz-Beuthen. The Lose Blätter are all quite short and each bears a descriptive title. The comforting warmth of Heimatklang (tr. 7) runs to 5:09 and sings like a benediction. The Liebescherze is halting and playful. Bei Dir! (tr. 5) is an unmissably dreamy piece in a Schumann-related idiom: all gentle zephyrs and wavering reeds. Fruhlingsgruss has the power of a Chopin scherzo and begins with something that sounds very like a rumba though the impression soon fades only to return at 00.50. The sequence is dedicated to Clara Schumann and there is an affectingly and affectionately feminine domestic quality to them.
The Genre-Bilder are from Goetz’s years in Zurich from 1870 to 1876 the year of his death. Here the dedicatee is Marie Goetz. Malcolm Macdonald, who provides his usual communicative notes for both releases, appositely links both Goetz sets with Schumann’s Waldszenen and Bunte Blatter. Each of the six Goetz pictures carries a superscription in the form of a poem whose mood is captured by the music. The poets are Robert Prutz, Theodor Sturm (North Germany’s Thomas Hardy – if Hardy is not Dorset’s Sturm), Nikolaus Lenau, Wilhelm Muller. and Albert Trager. Johnson injects some welcome hardness into the allegro impetuoso entirely appropriate to the Lenau poem. However Goetz is not quite equal in darkness-envocation to the challenge of the poetry. He is much more at ease with the halting drowsy romance of the lovely Trager lullaby that ends the sequence.
Going by the far from successful Drei Clavierstucke Cyklus in Sonatenform Op. 23 on the first CD, Schulz-Beuthen was not at ease with sonata form. His six movement Alhambra Sonata is from 1878-82. It is fascinating and parallels Tarrega’s Recuerdos (a study in tremolo) in Auf Dem Wege Zur Alhambra. These are big movements and the mood is grand in proportion to the mission. All the evidence points to Schulz-Beuthen being profoundly inspired by his subject although the contemporary claims for Arabian flavouring go for nothing or very little now. Unsurprisingly the sonata was inspired by the composer’s visit to the Alhambra. In the Eintritt In Der Alhambra the composer returns to his vertiginous music-box style we know from the first CD but here with more sombre asides. Die Abenceragen is march-like and carries the superscription ‘Kampfspiel’. It is more about panoply and grandeur than about battle. Im garten Xeneralife evokes a moonlit stroll through the magical gardens still warm with the decaying heat of the day. Do not be misled by the titles: this is very much Schumann with a faintly exotic twist. This is however the same Alhambra that would later inspire de Falla to write his Nights In The Gardens Of Spain. Each of the six movements is a big piece and they range from 4:43 to 9:48. In total the Sonata plays for circa 40 minutes. Sonata? I think not; perhaps ‘symphonic suite’ is a better description. Whatever you call it there is much here to enjoy and Schulz-Beuthen is often freshly inventive. There is very little that is routine, tired, careworn or shabby.
Definitely for the admirers of romantic era piano music especially for those partial to Schumann and floral romance. Johnson, Guild and Macdonald have done a superb job – if you like one of these two CDs you will want the other as well.
Rob Barnett